Markus Allan

Markus Allan ist eine Legende des finnischen Tango.

 

1945 geboren, gab er bereits in der goldenen Zeit des finnischen Tangos seine ersten Konzerte.

 

In den 1990ern von Aki Kaurismäki wiederentdeckt, zählt er  mit seiner weichen, vollen Stimme auch heute noch zu den großen Stars der finnischen Tangoszene.

 

In Aki Kaurismäkis Film “Wolken ziehen vorüber” gibt es eine schöne Sequenz, in der eine abgekämpft wirkende Restaurantchefin mit Wodka- und Zigarettenstimme ihren hängeschultrigen Bediensteten erklärt, dass sie ab dem folgenden Tag nicht mehr zu kommen bräuchten. Ihr Lokal „Dubrovnik“, offenbar allen ans Herz gewachsen, hat sie nämlich an eine große Kette verkaufen müssen, und für die alte Belegschaft haben die herzlosen Kapitalisten keine Verwendung mehr. Die Jobs sind also weg, es ist Herbst in Helsinki – was könnte da besser helfen als ein richtig trauriger finnischer Tango?

Und so steht am letzten Abend im „Dubrovnik“ ein Mann mit voluminösem Oberkörper und silberweißem Haar auf der Bühne und singt Zeilen wie diese: „Unsere verblassten Träume treiben mir Tränen in die Augen. Die Winde des Schicksals haben alles verweht.“ Der Mann heißt übrigens Markus Allan, im Film und auch im wirklichen Leben. Filigran ist es nicht, was er und seine kleine Band da bieten, dafür aber tausend Tränen tief. Das liegt nicht nur an Allans weicher, voller Stimme, sondern auch daran, dass er dank der Beschränkung seiner Bewegungen und Gesten auf das absolute Mindestmaß ein Maximum an Ausdrucksstärke erreicht.

Die Kunst des würdevollen Auftritts hat der Roma-Sänger in über 40 Bühnenjahren gelernt: 1945 geboren, gab er noch in der goldenen Zeit des finnischen Tangos seine ersten Konzerte. Der Legende nach war es Toivi Kärki, der Grossmeister des finnischen Tango, der dem jungen Allan Isberg, Gewinner eines Gesangswettbewerbes, 1963 den Künstlername Markus Allan verpasste. Kärkis Plattenfirma Fazer produzierte dann “Liliankukka”, Allans ersten grossen Hit und bis heute ein Evergreen. Kärki unterstützte den jungen Allan, der so als erster Roma-Sänger den Durchbruch schaffte.

Als mit dem Erfolg der Beatmusik in den Siebzigern das Interesse der finnischen Öffentlichkeit an Tangos nachließ, fiel er jedoch in ein Karriereloch, aus dem er erst 1996 wieder auftauchte – nicht zuletzt dank Aki Kaurismäki und besagtem Film.

«Für viele von uns war es eine schwierige Zeit, als Rock und Pop den Tango verdrängten. Aber nun geht es aufwärts, es werden immer wieder neue, kleine Tanzpavillons eröffnet, und auch jüngere Menschen interessieren sich wieder für den Tango.»

Auch heute noch zählt er mit seiner weichen, vollen Stimme zu den großen Stars der finnischen Tangoszene.  Die Jahre haben weder dem Charme noch der wunderbare Singstimme dieses grossen Künstlers etwas anhaben können. Inzwischen kommt Allan auf 15 LPs und verschiedene Singles, und er hat weiterhin mit Auftritten grossen Erfolg.  Im Jahr 2013 wurde Allan mit dem Tango Tango Finlandia Award geehrt. 2016 feierte er mit einer grossen Jubiläumstournee seinen 70sten Geburtstag.

Szene eines Auftritts in Kaurismäkis Tanzpavillon, 2003:
Während der Pause wird Markus Allan von einer Frau angesprochen, deren Mann etwas verlegen im Hintergrund stehen bleibt. Aki Kaurismäki schmunzelt. Sie habe sich sehr gefreut, dass Markus Allan «Liliankukka» gesungen habe, übersetzt er. Er habe dieses Lied bei ihrem ersten Rendez-Vous gesungen, und nun seien sie seit 25 Jahren ein Paar. Markus Allan strahlt erfreut. Das komme immer wieder vor, sagt er dann. «Offenbar ist es meine Rolle als Sänger, gewisse Gefühle auszudrücken, die der finnische Mann auf dem Tanzboden vielleicht aus Schüchternheit nicht zu sagen wagt. Durch den Text des Lieds kann er gewisse Gefühle verständlich machen.»